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Liebe Leserin, lieber Leser,

jetzt geht's ans Eingemachte: Auch nachdem die Entscheidung über Koalitionsverhandlungen gefallen ist, bleibt weiter unklar, wie das konkrete Programm der angestrebten „Ampel“ aussehen wird. „Aufbruch“ und „Erneuerung“ mögen erstmal gut klingen, sind aber dehnbare Begriffe. Die letzte Regierung hat auf vielen Problemfeldern zu viel Zeit ungenutzt verstreichen lassen und der mittlerweile enorm hohe Handlungsdruck stellt keine komfortable Ausgangslage für die zukünftige Regierung dar. Wir dürfen also gespannt sein, mit welchem Programm und mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten die neue Regierung die Probleme dieses Landes anpacken will.

Eine positive Botschaft können wir der neuen Regierung jedoch schon mal mit auf den Weg geben: Wenn sie es klug anstellt und kommunikativ überzeugend agiert, dann kann die zwingend anstehende Mobilitätswende für sie ein schönes Gewinnerthema werden. Damit ließen sich nämlich nicht nur die Unfallzahlen reduzieren und das (Verkehrs-) Klima verbessern, mit ihr erhöht sich auch die spürbare Lebensqualität in Deutschland insgesamt. Wenn das nichts ist! 

Ihr
unterschrift_ah
Albert Herresthal
Informationsdienst Fahrradwirtschaft
Die Themen dieser Ausgabe:
  1. Fahrradbranche nach Corona: Erste Schritte auf dem Weg zur Normalisierung  
  2. Statistisches Bundesamt: Deutsche besitzen immer mehr E-Bikes
  3. Fahrradwirtschaft: Konzentration schreitet voran – PON expandiert
  4. Konjunktur: Lieferfähigkeit größtes Problem der Hersteller
  5. Gesetzgebung: Verbandstrio kritisiert Benachteiligung von S-Pedelecs
  6. Zukunft der Leitmesse: Fahrradbranche formuliert Erwartungen
  7. Nachhaltigkeit: Fahrradbranche wird auch selbst grüner
  8. Kurzmeldungen
  9. Termine
Händlerschulung





Fahrradbranche nach Corona:
Erste Schritte auf dem Weg zur Normalisierung

Gut anderthalb Jahre nach dem ersten Lockdown gibt es in der Fahrradwirtschaft einige Bereiche, in denen sich eine gewisse Normalisierung andeutet: Nachdem seit Juli inzwischen mehrere Messen stattfinden konnten (u.a. Eurobico und Eurobike), und auch das Bike-Festival am Gardasee (15.-17.10.) mit 40.000 Menschen gut besucht war, werden nun weitere öffentliche Events geplant. Aktuell findet vom 6.-7. November in Braunschweig die „Faszination E-Bike“ statt, außerdem soll es die Reise- und Freizeitmesse „free“ in München geben (16.-20.2.22) und die „Fahrrad Essen“ (17.-20.2.22). In Essen ist am ersten Messetag auch ein radverkehrspolitischer Fachkongress der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW) vorgesehen.

Wichtig für die Qualitätssicherung in der Fahrrad- und E-Bike-Branche sind die Händlerschulungen der Antriebshersteller in Präsenz-Workshops. Diese werden nun wieder aufgenommen, beispielsweise von Bosch E-Bike Systems. So sind in den nächsten Monaten fast 400 Trainingstermine in Deutschland und vielen europäischen Ländern geplant.
E-Bike

Statistisches Bundesamt:
Deutsche besitzen immer mehr E-Bikes

Soeben wurden frische Zahlen über die Verbreitung von Fahrrädern in Deutschland veröffentlicht. Anfang 2021 gab es in 79% aller privaten Haushalte ein oder mehrere Fahrräder bzw. Elektrofahrräder, das sind 30 Millionen Haushalte. Die Anzahl der E-Bikes in diesen Haushalten erhöhte sich um 1,2 auf aktuell 7,1 Millionen – ein Anstieg um 20% binnen Jahresfrist. Bei jedem sechsten Haushalt, in dem es Fahrräder gibt, ist darunter mindestens ein elektrounterstütztes. 34% aller Haushalte mit E-Bike verfügt über zwei, 3% sogar über mehr als zwei E-Bikes.

Dass beim Kauf von Fahrrädern und E-Bikes immer mehr Qualität gefragt ist, zeigt eine aktuelle Erhebung des Branchenmagazins SAZbike. Danach liegt im Fachhandel der Durchschnittspreis eines Trekkingbikes bei 1.208 Euro und eines MTBs bei 1.396 Euro. Bei den E-Bikes liegen diese Werte entsprechend höher. So kostet ein E-Cityrad durchschnittlich 2.837 Euro, E-Reiseräder liegen bei 3.386 Euro und E-Cargobikes bei 4.980 Euro.
Derby Cycle

Fahrradwirtschaft:
Konzentration schreitet voran - PON expandiert

Längst schon wird in der Fahrradbranche nicht mehr national gedacht, sondern international, zumindest europäisch. So ist in den letzten Jahrzehnten mit der niederländischen Pon-Holding ein Konzern entstanden, der stark expandiert. Soeben wurde bekannt, dass die Fahrradsparte des kanadischen Mischkonzerns Dorel Industries gekauft hat. Damit entsteht ein Unternehmen, das allein im Bereich Fahrrad einen Jahresumsatz in Höhe von 2,5 Mrd. Euro erreichen dürfte. 

Zu den bekannten Pon-Marken Kalkhoff, Focus, Union und Gazelle kommen durch den Zukauf u.a. klangvolle Namen wie Cannondale, Schwinn, GT und Mongoose hinzu. Die Pon-Holding ist aber nicht nur als Hersteller von Fahrrädern, E-Bikes und Cargobikes bekannt, sondern auch als Mobilitätsdienstleister. So gehören z.B. eine Leasing-Gesellschaft zum Konzern sowie der Abo-Anbieter "Swapfiets" und der Lastenrad-Abo-Dienst „Dockr“. PON versteht sich mit dem Zukauf als „world leading bicycle company“. 

Nach eigenen Angaben beschäftigt PON weltweit auf allen Geschäftsfeldern zusammen rund 12.000 Menschen, die Hälfte davon in den Niederlanden. Die Pon-Fertigungsstätte in Deutschland ist „Derby Cycle“ im niedersächsischen Cloppenburg mit knapp 1.000 Mitarbeitenden.
Lieferfähigkeit problematisch

Konjunktur:
Lieferfähigkeit größtes Problem der Hersteller

Der Nachfrageboom nach Fahrrädern und E-Bikes bleibt ungebrochen, aber Produktionsengpässe trüben die wirtschaftliche Lage. So erwartet der Zweirad-Industrie-Verband für das Gesamtjahr 2021 einen Verkaufsrückgang bei E-Bikes um 2,6%. Ohne die Warenknappheit wäre nach dem Rekordjahr 2020 ein weiteres Branchenwachstum sehr wahrscheinlich gewesen. Der Traditionshersteller Gazelle musste beispielsweise die Produktion seiner E-Bikes herunterfahren, weil einzelne Komponenten nicht in ausreichender Menge verfügbar waren. 

Die Fahrradwirtschaft ist in einer besonders prekären Lage. In einer aktuellen Umfrage des Münchner ifo-Instituts klagen 73,7% Einzelhändler aller Branchen über Lieferschwierigkeiten. Dabei geht es dem Lebensmitteleinzelhandel noch vergleichsweise gut (nur 46,9% mit Problemen), im Computerhandel liegt die Problemquote bei 78,3%, im Fahrradeinzelhandel jedoch bei rekordverdächtigen 100%.

Die Probleme der Zulieferer sind zumeist durch Corona-bedingte Verzögerungen verursacht, eine Normalisierung wird erst für Ende 2022 erwartet. Aber auch Unterbrechungen der Transportwege aus Fernost, knappe Containerkontingente und der Mangel an elektronischen Bauteilen tragen zu den Schwierigkeiten bei.
Verbandsforderungen zu S-Pedelecs

Gesetzgebung:
Verbandstrio kritisiert Benachteiligung von S-Pedelecs

Aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) lassen aufhorchen: Die PKW-Dichte in Deutschland ist zwischen 2011 und 2021 weiter stark angestiegen, und zwar um 14%. Aktuell kommen auf 100 Haushalte rechnerisch 108 Autos. Nach Angaben von Destatis werden 68,4% aller Pendelstrecken zur Arbeit mit dem PKW zurückgelegt – aber nur 10,4% mit dem Fahrrad oder Pedelec. Dabei beträgt für 48% aller Erwerbstätigen die Entfernung zum Arbeitsplatz weniger als 10 km.

Unter der Überschrift „S-Pedelecs – Umweltfreundliche PKW-Alternative“ hat nun der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zusammen mit den Wirtschaftsverbänden Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF) und Verbund Service und Fahrrad (VSF) ein Hintergrundpapier veröffentlicht und drei Kernforderungen aufgestellt. Darin verlangen die Verbände, dass es Kommunen künftig möglich sein soll, geeignete Radwege inner- und außerorts für die Nutzung von S-Pedelecs freizugeben. Dazu gehört, dass schnelle Pedelecs auch Fahrradstraßen und Radschnellwegeverbindungen nutzen und in Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung einfahren dürfen. All dies ist gegenwärtig für S-Pedelecs verboten.

Hintergrund der Verbandsforderungen ist das enorme Potenzial für die Verkehrswende, welches S-Pedelecs für mittlere Pendlerstrecken besitzen, da ihr E-Motor bis 45 km/h unterstützt und man mit ihnen schneller zum Ziel kommt. Durch die aktuelle rechtliche Benachteiligung der S-Pedelecs gegenüber Pedelecs25 ist ihre Verbreitung in Deutschland extrem gering: Nur 1% aller verkauften Pedelecs sind S-Pedelecs. In der Schweiz, die günstigere Rahmenbedingungen für S-Pedelecs bietet, beträgt dieser Wert 25%.
Leitmesse der Fahrradbranche

Zukunft der Leitmesse:
Fahrradbranche formuliert Erwartungen

Nachdem sich die IAA Mobility 2021 als Mobilitätsmesse zu profilieren versuchte und die Eurobike für 2022 den Umzug nach Frankfurt verkündete, ist die Branchendiskussion über das richtige Konzept einer Leitmesse der Fahrradwirtschaft voll entbrannt. Vor diesem Hintergrund hat der Informationsdienst Fahrradwirtschaft zusammen mit dem Magazin Velobiz Entscheider*innen der Branche befragt, welche Wünsche und Erwartungen sie für die Zukunft haben.

So vielfältig die Antworten auch waren, so eindeutig war das Ergebnis im Hinblick auf eine künftig stärkere politische Ausrichtung: 80% benannten ein „zielgruppengerechtes Event, das auch Spitzenpolitiker auf die Messe bringt“, sehr wichtig (48%) oder wichtig (32%). Ein Firmenchef bringt es auf den Punkt: „Die Leitmesse der Fahrradbranche muss auf jeden Fall ein `Pflichttermin´ für Spitzenpolitiker sein.“ 

Einigkeit gab es darin, dass das Fahrrad im Mittelpunkt einer Leitmesse stehen sollte, viele Stimmen mahnten aber auch „eine Öffnung auf nachhaltige Mobilitätsformen rechts und links des Fahrrads“ an und wünschen sich die Einbeziehung des Themas Infrastruktur. Bernhard Lange, geschäftsführender Gesellschafter von Paul Lange & Co sagt: „Ein hochkarätiges Kongressprogramm ist geradezu ein Muss für eine Messe, die den Anspruch hat, globale Leitmesse der Fahrradbranche und eine der zentralen Mobilitätsmessen zu sein.“ Dies sollte u.a. „im Bereich Mobilitäts- und Städteplanung, intermodaler Verkehr, Integrationslösungen etc. Akzente setzten, Impulse auch in Richtung Politik und Verwaltung geben und eine Plattform für den diesbezüglichen Austausch verschiedener Mobilitätsträger bieten“.
Nachhaltigkeit Schwalbe

Nachhaltigkeit:
Fahrradbranche wird auch selbst grüner

Lange Zeit hat sich die Fahrradwirtschaft damit begnügt, ein umweltfreundliches Produkt zu verkaufen. Mittlerweile gibt es jedoch engagierte Bestrebungen, auch als Branche insgesamt nachhaltiger zu werden, u.a. angestoßen durch den Think-Tank „BikeBrainpool“. Einige Unternehmen veröffentlichen regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte, z.B. der E-Bike Hersteller Riese & Müller, das Prüfinstitut Zedler oder die global agierende Trek-Gruppe. Transparenter sollen künftig auch die Lieferketten werden – passend zum Lieferkettengesetz der amtierenden Bundesregierung. Mit dem Reifenhersteller Schwalbe engagiert sich nun ein großes Unternehmen der Fahrradbranche in Sachen „Fair Trade“. Dabei geht es um den natürlichen Rohstoff Kautschuk, der meist in kleinbäuerlichen Strukturen angebaut wird. Mit dem Beitritt von Schwalbe zum „Fair Rubber e.V.“ verpflichtet sich das Unternehmen einen Preis zu zahlen, der rund 45% über dem Weltmarktpreis von Naturkautschuk liegt.

Kurzmeldungen

Antje von Dewitz
Kopf des Monats
Antje von Dewitz, Inhaberin und Geschäftsführerin der Outdoor-Firma Vaude aus Tettnang wurde soeben mit dem „Role Model Award“ ausgezeichnet. Sie gewann den Preis in der Kategorie „Familienunternehmerin“ als „Vorbild für Teenager“. In ihrem nachhaltigen Unternehmen gibt es eine hohe Frauenquote und viele Maßnahmen, die dazu dienen, Beruf und Familie miteinander zu verbinden.
Cargo Bike Umfrage
Zahl des Monats
66 Prozent Wachstum ihrer Lastenrad-Verkäufe in Europa 2021 - das erwarten 38 Hersteller, die an der zweiten European Cargo Bike Industry Survey des europäischen CityChangerCargoBike-Projekts (CCCB) teilgenommen haben.
Angela Francke
Neue Radprofessorin
Seit dem 1. Oktober wurde an der Universität Kassel eine neue Professur „Radverkehr und Nahmobilität“ eingerichtet. Die Verkehrspsychologin Prof. Dr. Angela Francke übernimmt eine der Stiftungsprofessuren, die vom BMVI im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans ins Leben gerufen wurden.
VeloHUB
Bild des Monats: So werden PKW-Parkplätze zu Multifunktionsflächen. Der „VeloHUB“ beansprucht gerade mal die Fläche von zwei Stellplätzen, bietet aber vielfältige Möglichkeiten. Quartierstreff, begrünte Hochterasse, Fahrradparkplätze mit Schließflächern und mehr. Ein Kooperationsprojekt u.a. von WSM und designit.

Termine

  • Eine Publikumsmesse rund ums Fahrrad findet vom 6.-7. November in der Millenniumhalle in Braunschweig statt. Die „Faszination E-Bike“ zeigt die Produkte von mehr als 60 Marken. 

  • Am 22.-23. November 2021 findet in Bremen die 15. Fahrradkommunalkonferenz unter dem Motto „Wandel wagen!“ statt, u.a. veranstaltet vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU), der Freien Hansestadt Bremen und dem Deutschen Städtetag. Die Fahrradkommunalkonferenz wird vom BMVI gefördert.

  • Save the Date: vivavelo Kongress der Fahrradwirtschaft mit neuem Termin: am 7.-8. April 2022 in Berlin. Der Kongress findet in der Landesvertretung von NRW beim Bund statt.

Team Fahrradwirtschaft Insight

Teamfoto
Der führende Kopf hinter dem Newsletter ist Albert Herresthal. Er kann auf reichhaltige Erfahrung mit Politik und Fahrradwirtschaft verweisen. Durch seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer des Verbund Service und Fahrrad (VSF e.V.) ist er mit den relevanten Köpfen der Branche bestens verbunden. Er ist für die inhaltliche Ausgestaltung und den Kontakt zu den Empfänger*innen in Politik und Verwaltung sowie der Fahrradwirtschaft zuständig.

Auch Hendrikje Lučić (oben links) ist seit vielen Jahren in der politischen Arbeit für die Fahrradwirtschaft aktiv. Sie war für den VSF e.V. unter anderem als Leiterin des Hauptstadtbüros tätig und dort für den Bereich Public Affairs zuständig. Bei Fahrradwirtschaft Insight ist sie für die inhaltliche und strategische Ausgestaltung des Newsletters mitverantwortlich.

Anne Kreidel ist Fundraiserin und verfügt über langjährige Marketing- und Kommunikationserfahrung. Sie war in Unternehmen, in Kultur- und Umweltorganisationen tätig, u.a. bei Changing Cities. Im Team Fahrradwirtschaft Insight ist sie für die visuelle Gestaltung, Lektorat und den Versand des Newsletters zuständig.
Fotonachweis: 1. Bosch E-Bike Systems, 2. ROSE Bikes, 3. Website ecopark, 4. Website bike-magazin (Robert Niedring), 5. VCD, 6. Pexels, 7. Website fairrubber, 8. 1) Vaude, 2) Riese & Müller, 3) Website Uni Kassel, 4) Beckerlacour - @ VeloHUB bu designit. Teamfoto: Antonia Richter
Albert Herresthal, Public Affairs Bike & Mobility
Argestr. 8
26607 Aurich
Deutschland
info@herresthal.org
 
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