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Liebe Leserin, lieber Leser,

da ist Musik drin! Wir erleben spannende Wochen: Der 26. UN-Klimagipfel ging vor wenigen Tagen zu Ende und die Gelehrten streiten noch darüber, ob er eigentlich ein Erfolg war oder eine vertane Chance. Dem Klima ist unsere Bewertung derweil egal – die für den Menschen weltweit bedrohliche Entwicklung schreitet beschleunigt voran. In Deutschland sind die Koalitionsverhandlungen auf der Zielgeraden und auch hier ist die Frage, ob die „Ampel“ in der Lage ist, einen substanziellen Klimakurs zu fahren oder ob es nur der kleinste gemeinsame Nenner der drei Parteien wird. Zu einer glaubwürdigen Klimapolitik gehört eine nachhaltige Verkehrspolitik – und die wird ohne eine deutliche Stärkung des Radverkehrs nicht funktionieren.

Die Fahrradbranche weiß, dass der politische Druck im Sinne der Mobilitätswende weiter verstärkt werden muss. Deshalb setzt sie deutliche Zeichen: Der Zweirad-Industrie-Verband verlegt seine Zentrale demnächst nach Berlin und auch der ADFC stellt sich mit einem deutlich verjüngten Bundesvorstand neu auf. Wenn die Branche ihre Kräfte klug bündelt, dann sollte es wohl gelingen, auch die Bremsenden in der „Ampel“ für das Fahrrad als Klima-Problemlöser zu gewinnen.

Ihr
unterschrift_ah
Albert Herresthal
Informationsdienst Fahrradwirtschaft
Die Themen dieser Ausgabe:
  1. Fachhandel: Umsatzwachstum auf Konsolidierungskurs
  2. Industrie international: Rekordumsätze und Gewinne
  3. Markt im Wandel: Investoren setzen auf Sharing und Abo-Systeme
  4. Corporate Social Responsibility: Fahrradwirtschaft verabschiedet Bike Charta 
  5. Kurzmeldungen
Studie IFH





Fachhandel:
Umsatzwachstum auf Konsolidierungskurs

Statt Achterbahnfahrt nun solides Wachstum: Nach einer Phase extremer Nachfrage, beginnt sich die Umsatzentwicklung im Fahrrad-Fachhandel nun zu normalisieren. Besonders in der Corona-Anfangszeit waren kurzfristige Ausschläge eine Herausforderung für Kund*innen und Verkäufer*innen in den Fachgeschäften gleichermaßen. Nachdem das jährliche Wachstum laut wobkom-Fachhandelsbarometer lange Zeit um die 10% schwankte, sprang es 2020 plötzlich um 37% gegenüber dem Vorjahr an. Einzelne Quartale zeigten gar Wachstumsraten von bis zu 65% (4/20). Nun beruhigt sich die Situation wieder und es sind aktuell leichte Rückgänge zu verzeichnen. Wenn man jedoch einen Zweijahreszeitraum betrachtet, dann ergibt sich für die ersten drei Quartale 2021 gegenüber 2019, also vor Corona, ein solides Umsatzwachstum in Höhe von fast 28%.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) unterstreicht diese Entwicklung. Hier wird für 2020 über alle Vertriebswege ein Umsatzplus von 41,3% festgestellt und im laufenden Jahr ebenfalls von einer leicht rückläufigen Entwicklung ausgegangen. Die Umsätze im Fahrradhandel könnten in der aktuellen Situation sicher höher sein, würde es nicht die massiven Lieferschwierigkeiten geben, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Hier wird eine Entspannung erst zum Ende 2022 erwartet.
Rekordumsätze

Industrie international:
Rekordumsätze und Gewinne

Auf dem deutschen Fahrradmarkt spielen internationale Unternehmen eine wichtige Rolle, besonders asiatische. Nun melden der japanische Komponentenhersteller SHIMANO und Taiwans führender Fahrradhersteller GIANT (Giant Group) für die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres 2021 trotz Corona-Krise und der allgemeinen Lieferproblematik beeindruckende Umsatz- und Gewinnrekorde. Shimano konnte den Nettoumsatz seiner Fahrradsparte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 56% auf 2,42 Mrd. Euro steigern. Das Betriebsergebnis verdoppelte sich auf nun 680 Millionen Euro. Fahrradhersteller Giant konnte einen Rekordumsatz von 61,94 Milliarden TWD (1,92 Mrd. Euro) ausweisen, ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zu den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres. E-Bikes stellen dabei einen wichtigen Haupttreiber dar: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg ihr Umsatz um 37 Prozent. Pedelecs tragen bereits zu 31 Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe bei. In Deutschland ist Giant auch mit eigenen Marken-Stores präsent.
Tier Mobility E-Scooter

Markt im Wandel:
Investoren setzen auf Sharing und Abo-Systeme

Allein schon ergonomische Gründe sprechen für individuell angepasste Fahrräder und E-Bikes aus dem Fachhandel. Besonders auf längeren Fahrten ist der Komfortgewinn spürbar. Gleichwohl setzen internationale Investoren verstärkt auch auf Sharing und Abo-Systeme. Auch das Institut für Handelsforschung (IFH) sieht im Sharing noch viel Marktpotenzial, und zwar über das Fahrrad hinaus. Den neuesten Beleg für die positiven Geschäftserwartungen stellen die aktuellen Finanzierungsrunden des Berliner Verleihers Tier Mobility und des US-amerikanischen E-Bike- und Scooter-Verleihers Lime dar. Tier Mobility erhielt jetzt zusätzlich 200 Mio. USD Kapital. Lime stellten Investoren, darunter der Fahrdienstleister Uber, insgesamt 523 USD für Expansionen zur Verfügung. 2022 will das Unternehmen an die Börse gehen. Dort ist E-Scooter-Verleiher Bird bereits seit dem 5.11.2021.

Das Angebot von E-Bike-Abos wächst ebenfalls weiter. Neu im Geschäft ist die deutsche Faaren-Group, die bisher eher mit Kfz-Abos in Verbindung gebracht wurde. Auch Green Moves, ein Tochterunternehmen des Ökostrom-Anbieters Naturstrom bietet ein breites Spektrum an E-Bikes im Abo, darunter auch Cargobikes. Schon länger am Markt: Der Autoclub ADAC, der sein Abo-Angebot in Kooperation mit der österreichischen Greenstorm Mobility GmbH realisiert.

Doch der Markttrend geht in Richtung Flexibilität: Die Kölner eurorad Deutschland GmbH bietet unter dem Namen Sharea eine Plattform an, über die ein breites Spektrum von Elektrofahrzeugen aller Art je nach aktuellem Bedarf genutzt werden kann.
Erstunterzeichner*innen der Bike Charta

Corporate Social Responsibility:
Fahrradwirtschaft verabschiedet Bike Charta

Mit der Bike Charta geht die Fahrradindustrie einen wichtigen Schritt in Richtung Corporate Social Responsibility und stellt sich ihrer gesellschaftlichen, ökologischen und auch ökonomischen Verantwortung. Nach gut einjähriger Entwicklungsarbeit konnte jetzt ein Aktionsplan für die Verbesserung der Nachhaltigkeit des Industrieproduktes Fahrrad/E-Bike unterzeichnet werden. Die Bike Charta enthält 110 Handlungsimpulse aus den Handlungsfeldern Markt und Umwelt, aber auch Arbeitsplatz und Gemeinwesen. Dabei orientiert sie sich an der nationalen und internationalen Gesetzgebung, setzt darüber hinaus aber auch eigene Impulse. Mit kritischem Blick nach innen werden u.a. die verbrauchten Ressourcen, die Sauberkeit der Lieferkette, die Produktion aber auch Arbeitsbedingungen (einschließlich Vorlieferanten) unter die Lupe genommen. Dreiundzwanzig Entscheider*innen der Fahrradbranche (Foto) sind Erstunterzeichner*innen der Bike Charta, die zunächst eine Selbstverpflichtung darstellt. Mittelfristig soll durch eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex um ein Reporting erweitert werden.

Kurzmeldungen

Rebecca Peters
Kopf des Monats
Rebecca Peters ist die neue Bundesvorsitzende des ADFC. Die 25-jährige Verkehrsgeographin aus Niederkassel war zuvor die Stellvertreterin von Ulrich Syberg, der nach 11 Jahren an der Spitze des Verbandes nicht mehr antrat. Der gesamte Bundesvorstand wurde neu gewählt und zeigt sich nun deutlich verjüngt. Hier ist mit Hanna Grau (31) auch eine Unternehmerin aus der Fahrradwirtschaft vertreten (Croozer GmbH).
ZIV
ZIV geht nach Berlin
Der Zweirad-Industrie-Verband verlegt seine Geschäftsstelle ab dem Frühjahr 2022 nach Berlin-Mitte in die Reinhardtstraße 7 – eine gute Adresse, an der sich auch viele weitere Lobbyverbände befinden. Damit unterstreicht der ZIV (Slogan: „Fahrzeugindustrie mit Zukunft“) seine politische Ausrichtung.
Ausbau des Berliner Fahrradnetzes
Zahl des Monats
3.021 km soll das Berliner Fahrradnetz nach dem am 16.11.21 vom Senat der Stadt beschlossenen Radverkehrsplan in seiner Ausbaustufe umfassen. Dazu gehören dann auch 100 km Radschnellwege. Bis 2030 soll der Radverkehrsanteil in der Stadt auf 23% gesteigert werden.
IFW neu bei Twitter
IFW jetzt neu bei Twitter
Für die politische Kommunikation ist Twitter ein wichtiges Medium. Aus diesem Grund wird der Informationsdienst Fahrradwirtschaft ab sofort auch auf Twitter präsent sein. Unter @ifw_bike werden wir aktuelle Nachrichten aus der Fahrradwirtschaft verbreiten und das Geschehen rund um die Fahrradbranche kommentieren.
BikeBrainpool Jubiläum
BikeBrainpool feiert Jubiläum
Der Think Tank der Fahrradbranche, der BikeBrainpool wird 25! Vor einem viertel Jahrhundert fand in Kassel das erste Treffen von Entscheider*innen aus verschiedenen Fahrradfirmen und Verbänden statt – mit dem Ziel, die Branche als Ganzes voranzubringen und Perspektiven für gemeinsames Handeln über Unternehmens- und Verbandsgrenzen hinaus zu entwickeln. Jetzt konnte in Reichshof beim Reifenhersteller Schwalbe die Geburtstagstorte angeschnitten werden. Herzlichen Glückwunsch!
Nextbike-CEO Leonhard von Harrach (li.) und Tier-Mitbegründer und -CEO Lawrence Leuschner
Tier Mobility schluckt Nextbike
Der Berliner Sharing-Anbieter Tier Mobility hat soeben den Leipziger Bikesharing Marktführer Nextbike übernommen. Damit setzt sich ein Konzentrationsprozess in der Branche fort. Durch die Übernahme entsteht ein Unternehmen mit 250.000 Zweirädern in rund 400 Städten in ganz Europa. Die Produktpalette umfasst Fahrräder, E-Bikes, Lastenräder, Scooter und E-Mopeds. (Details)
Lichtprojektion in Glasgow
Bild des Monats: Lichtprojektion in Glasgow, gut sichtbar für alle Teilnehmenden des UN-Klimagipfels im November 2021. Eine klare Botschaft, die weltweit Aufmerksamkeit finden sollte.

Team Fahrradwirtschaft Insight

Teamfoto
Der führende Kopf hinter dem Newsletter ist Albert Herresthal. Er kann auf reichhaltige Erfahrung mit Politik und Fahrradwirtschaft verweisen. Durch seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer des Verbund Service und Fahrrad (VSF e.V.) ist er mit den relevanten Köpfen der Branche bestens verbunden. Er ist für die inhaltliche Ausgestaltung und den Kontakt zu den Empfänger*innen in Politik und Verwaltung sowie der Fahrradwirtschaft zuständig.

Auch Hendrikje Lučić (oben Mitte) ist seit vielen Jahren in der politischen Arbeit für die Fahrradwirtschaft aktiv. Sie war für den VSF e.V. unter anderem als Leiterin des Hauptstadtbüros tätig und dort für den Bereich Public Affairs zuständig. Bei Fahrradwirtschaft Insight ist sie für die inhaltliche und strategische Ausgestaltung des Newsletters mitverantwortlich.

Anne Kreidel ist Fundraiserin und hat lange im Bereich Marketing und Kommunikation gearbeitet. Sie war in Unternehmen, in Kultur- und Umweltorganisationen tätig, u.a. bei Changing Cities. Im Team Fahrradwirtschaft Insight übernimmt sie die Umsetzung und den Versand des Newsletters.
Fotonachweis: 1. IFH Köln, 2. Rawpixel, 3. Tier Mobility Website, 4. Velokonzept, 5. ADFC, 6. Albert Herresthal, 7. Rawpixel, 8. Twitter, 9. Velokonzept, 10. Tier Mobility, Nextbike, 11. Jim Densham; Teamfoto: Antonia Richter
Herresthal Consulting Public Affairs Bike & Mobility
Argestr. 8
26607 Aurich
Deutschland

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