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Liebe Leserin, lieber Leser,

es weihnachtet sehr! Daher wird dies kein „normaler“ Newsletter für Sie, sondern in allererster Linie ein Weihnachtsgruß. Doch natürlich können wir als Informationsdienst Fahrradwirtschaft auch nicht ganz ohne Nachrichten auskommen. Und da wir in Deutschland gerade die Phase der Regierungsbildung abgeschlossen haben, wollen wir Sie auch über die recht vielfältigen, aus der Fahrradwirtschaft zu vernehmenden Reaktionen zum Koalitionsvertrag und zu den Personalentscheidungen informieren. Außerdem ist der Jahresausklang ein passender Anlass, einmal auf die Top 5 Meldungen von 2021 zu schauen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gesegnete Weihnachtszeit!

Ihr
unterschrift_ah
Albert Herresthal
Informationsdienst Fahrradwirtschaft
Die Themen dieser Ausgabe:
  1. Fahrradbranche zum Koalitionsvertrag: Das Prinzip Hoffnung
  2. Neue Ampelregierung: Stimmen aus der Wirtschaft
  3. Jahresrückblick: Das war 2021 für die Branche.
  4. Fahrradwirtschaft: Die fünf wichtigsten News des Jahres
  5. Kurzmeldungen
Bundestag





Fahrradbranche zum Koalitionsvertrag:
Das Prinzip Hoffnung

In der Fahrradwirtschaft sind die im Koalitionsvertrag enthaltenen Aussagen zum Verkehrskomplex mit großer Enttäuschung und Zurückhaltung zur Kenntnis genommen worden. Auch die personellen Entscheidungen haben viele in der Branche überrascht. Zugleich wird die Hoffnung geäußert, dass die zuletzt konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium, das künftig nicht mehr BMVI, sondern BMDV heißt, auch unter der neuen Hausleitung fortgesetzt werden kann.

Dass der Begriff der Verkehrswende im gesamten Koalitionsvertrag kein einziges Mal erwähnt wird, hat allgemein sehr irritiert und Unverständnis hervorgerufen. Als positiv wird das Vorhaben gesehen, Bundesverkehrswegeplan und Bundesmobilitätsplan auf der Basis erweiterter Kriterien zu überarbeiten. Auch die geplante Neuausrichtung von Straßenverkehrsgesetz und StVO durch zusätzliche Ziele (Klima- und Umweltschutz, Gesundheit, städtebauliche Aspekte), die beabsichtigte Stärkung der Bahn, die Elektrifizierung des Kfz-Verkehrs sowie die Absicht, eine nationale Fußverkehrsstrategie zu entwickeln, kamen gut an.

Dagegen konnten die spärlichen und wenig konkreten Aussagen zum Radverkehr (ganze vier Zeilen) wenig überzeugen. Das große Potenzial des Fahrrads für die Verkehrswende wird an keiner Stelle benannt, es fehlen jegliche Aussagen zu Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit oder zum Ziel, die Mobilität in Deutschland künftig mit weniger Kfz und mehr Fahrrad gestalten zu wollen. Mehr im Blog-Beitrag.
Ampel

Neue Ampelregierung:
Stimmen aus der Wirtschaft

In ersten Stellungnahmen der Fahrradverbände werden die Defizite im Koalitionsvertrag kritisiert und Erwartungen an die neue Regierung betont. So schreibt der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV), Burkhard Stork, in einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, dass der Koalitionsertrag aus Sicht des Radverkehrs und der Industrie „nicht der große Wurf“ sei. „Viele Absichtserklärungen sind vage, Vorhaben sind nicht terminiert, Zielrichtungen unbestimmt, genaue Umsetzungen unklar“. Stork fordert: „Mobilität der Zukunft muss insbesondere vom Fahrrad geprägt sein. Das Fahrrad ist das ideale Verkehrsmittel für kurze und mittlere Strecken, bringt Menschen in Bewegung, schont Städte und Umwelt“.

Wasilis von Rauch, Geschäftsführer des Dienstleisterverbands BVZF kritisiert, dass der Vertrag „nur eine unzureichende Verbesserung zum Status Quo“ sei und „angesichts der Anforderungen an eine Verkehrswende eine vertane Chance. […] Der Vertrag weist weder den Weg zur Verkehrswende noch in Richtung Fahrradland. Wir vermissen wichtige Impulse für eine fahrradfreundlichere Zukunft im Koalitionsvertrag“.

Der ADFC erkennt im Koalitionsvertrag einige gute Ansätze, bemängelt aber beispielsweise das Fehlen eines klaren Bekenntnisses zu Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit. Die Verkehrswende könne nicht warten. Die ADFC Bundesvorsitzende, Rebecca Peters, fordert: „Die nächste Regierung muss eine moderne Verfassung für die Straße in den ersten 100 Tagen auf den Weg bringen. Wir brauchen Taten, damit das Fahrradland Wirklichkeit wird“.

Alle Verbände betonen zugleich ihre Bereitschaft zur konstruktiven Zusammenarbeit mit der neuen Bundesregierung und mit der neuen Hausleitung im Bundesverkehrsministerium.
Produktion Fahrradindustrie

Jahresrückblick:
Das war 2021 für die Branche.

Das zweite Jahr in der Pandemie war für die Fahrradwirtschaft in vielfältiger Weise anstrengend. Sowohl der allgemeine Lockdown in der ersten Jahreshälfte hat Industrie, Handel und den Dienstleistungsbereich belastet als auch die Störung der weltweiten Lieferketten und die damit verbundene eingeschränkte Warenverfügbarkeit. Nachdem der Fahrradhandel im Vorjahr noch von seinem Lagerbestand profitieren konnte, war dieser Puffer im aktuellen Jahr weitgehend aufgezehrt. So werden die Vorjahresumsätze trotz guter Nachfrage 2021 nur knapp erreicht werden können. Die Industrie klagt zunehmend über Probleme bei der Rohstoffversorgung und bei Zulieferern und prognostiziert einen leichten Rückgang der Produktionsmenge. Zugleich sorgen die angespannte Lage und stark gestiegenen Transportkosten für deutliche Preissteigerungen am Markt. Auf der Nachfrageseite verstärkt sich der Trend zum E-Bike. So werden deutliche Rückgänge bei nichtmotorisierten Fahrrädern erwartet. Eine rasche Entspannung der Gesamtsituation wird vorerst nicht erwartet.
2021

Fahrradwirtschaft:
Die fünf wichtigsten News des Jahres

I Wissenschaftliche Studie zur Fahrradwirtschaft: Beeindruckende Zahlen lieferte eine Arbeit des Wuppertalinstituts: Mit insgesamt 281.000 Arbeitsplätzen und einem Gesamtumsatz von 37,7 Mrd. Euro ist die ökonomische Bedeutung der Branche enorm. Auch die Dynamik der letzten Jahre kann sich sehen lassen. So gab es 15% mehr Arbeitsplätze innerhalb von 5 Jahren. Im gleichen Zeitraum stieg der Umsatz in der Industrie um 15% und im Handel um 20%. 

II Expansion und Börsenpräsenz: Neue Fahrradfabriken entstehen und Made in Germany/Europe ist wieder stärker im Trend. So baut Kettler Alu-Rad ein neues Werk im Saarland (350 Arbeitsplätze). Auch der Omnichannel-Fahrradhersteller Rose Bikes in NRW hat eine neue Fertigungshalle gebaut (120 Arbeitsplätze). In Thüringen entsteht eine neue Fabrik für den Bau von Carbon-Rahmen. Mehrere Unternehmen versorgten sich an der Börse mit zusätzlichem Investitionskapital

III Gestörte Lieferketten: Das gab es in dieser Dimension in der Fahrradbranche noch nie. Die weltweite Zusammenarbeit von Herstellern und Zulieferern funktionierte nicht mehr reibungslos. Strikte Lockdowns in Asien, Hafen-Sperrungen und auch die Havarie eines Containerschiffs im Suezkanal warfen alle Produktionsplanungen über Bord und führten zur angespannten Marktsituation auch hierzulande. Außerdem standen 2021 weltweit deutlich zu wenig Container zur Verfügung.

IV Fahrradmessen stellen sich neu auf: Paukenschlag im Messeherbst: Nach 25 Jahren am Bodensee verkündet die Messe Friedrichshafen, dass die weltweite Fahrrad-Leitmesse, die Eurobike, ab 2022 im Sommer in Frankfurt stattfinden wird. Von den Branchenverbänden erhält sie für diese Neuaufstellung, der auch eine konzeptionelle folgen soll, viel Zuspruch. Zugleich fand im September wenige Tage nach der Eurobike die umstrittene IAA Mobility mit deutlicher Fahrrad-Beteiligung in München statt. Mehr zur Leitmesse der Zukunft im Blog.

V Nachhaltigkeit in der Fahrradwirtschaft: Radfahren ist „grün“, aber jede industrielle Produktion hat Umweltauswirkungen. Diese Erkenntnis führt in der Branche verstärkt zu Konsequenzen. Nachdem seit einigen Jahren Vorreiter wie Riese & Müller, VauDe, Abus oder Schwalbe (Schlauch- und Reifenrecycling, Fair Rubber) vorangegangen sind, ist das Thema nun auch in der breiten Fahrradindustrie angekommen. Dreiundzwanzig Unternehmen unterzeichneten im Oktober die Bike Charta. In der international aufgestellten Fahrradbranche spielt dabei das Thema Lieferketten eine wichtige Rolle.

Kurzmeldungen

Kristina Vogel
Kopf des Monats
Kristina Vogel ist die „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit 2022“. Die Jury des Deutschen Fahrradpreises zeichnete die Doppel-Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin im Bahnradfahren für ihre beeindruckende Karriere und für Ihren Lebensoptimismus nach schwerem Trainingsunfall aus. Mit ihrer Einstellung sei sie ein großartiges Vorbild.
EU Senkung Steuersätze
Niedrigere Mehrwertsteuer
Die EU macht den Weg frei für niedrigere Steuersätze auf Produkte und Dienstleistungen rund um Fahrräder und Pedelecs, wie es Verbände der Fahrradwirtschaft schon länger gefordert hatten. Die Umsetzung erfolgt auf nationaler Ebene und gibt den Staaten nun neue Entscheidungsspielräume. Damit wäre das Fahrrad in Deutschland dann mit der Besteuerung des Nahverkehrs und mit Taxen gleichgestellt.
Fahrradmonitor
Zahl des Monats
37% der Radfahrenden in Deutschland fühlen sich beim Radfahren unsicher. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen Fahrradmonitors im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Dazu korrespondieren die Forderungen der Befragten an die Politik: 57% wünschen sich mehr Radwege und 53% eine bessere Trennung der Radfahrenden vom Kfz-Verkehr.
Landwirtschaftsminister Özdemir
Bild des Monats: Cem Özdemir, neuer Landwirtschaftsminister, holte seine Ernennungsurkunde beim Bundespräsidenten mit dem Fahrrad ab, während sich ansonsten die Limousinen vor dem Schloss Bellevue stauten. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus, wenn dies als eine große Besonderheit wahrgenommen wird? Die Strecke vom Bundestag beträgt gerade einmal 1,6 km.

Team Fahrradwirtschaft Insight

Teamfoto
Der führende Kopf hinter dem Newsletter ist Albert Herresthal. Er kann auf reichhaltige Erfahrung mit Politik und Fahrradwirtschaft verweisen. Durch seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer des Verbund Service und Fahrrad (VSF e.V.) ist er mit den relevanten Köpfen der Branche bestens verbunden. Er ist für die inhaltliche Ausgestaltung und den Kontakt zu den Empfänger*innen in Politik und Verwaltung sowie der Fahrradwirtschaft zuständig.

Auch Hendrikje Lučić (oben Mitte) ist seit vielen Jahren in der politischen Arbeit für die Fahrradwirtschaft aktiv. Sie war für den VSF e.V. unter anderem als Leiterin des Hauptstadtbüros tätig und dort für den Bereich Public Affairs zuständig. Bei Fahrradwirtschaft Insight ist sie für die inhaltliche und strategische Ausgestaltung des Newsletters mitverantwortlich.

Anne Kreidel ist Fundraiserin und hat lange im Bereich Marketing und Kommunikation gearbeitet. Sie war in Unternehmen, in Kultur- und Umweltorganisationen tätig, u.a. bei Changing Cities. Im Team Fahrradwirtschaft Insight übernimmt sie die Umsetzung und den Versand des Newsletters.
Fotonachweis: 1. Deutscher Bundestag / Janine Schmitz / photothek, 2. Unsplash / Moritz Kindler, 3. SKS Germany, 4. Unsplash / Ryan Stone, 5. Deutscher Fahrradpreis / Thüringer Allgemeine / Sascha Fromm, 6. Mauro Bottaro, European Union, 2021, 7. BIK ASCHPURWIS + BEHRENS GMBH, 8. IMAGO / Frank Ossenbrink, Teamfoto: Antonia Richter
Herresthal Consulting Public Affairs Bike & Mobility
Argestr. 8
26607 Aurich
Deutschland

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