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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Temperaturen steigen und die Fahrradsaison nimmt Fahrt auf. Traditionell ist das Frühjahr auch die Zeit für Zahlen-Daten-Fakten aus der Fahrradwirtschaft, der Umfrageergebnisse und Statistik-Veröffentlichungen. In diesem Newsletter informieren wir Sie daher über die wichtigsten Wirtschaftsdaten aus der Fahrradindustrie und über – wie immer – weitere, spannende Neuigkeiten aus der Fahrradbranche.

Optimistisch Stimmendes gibt es aus der Bevölkerung: Der ADAC hat kürzlich Ergebnisse einer repräsentativen infas Umfrage veröffentlicht, laut der 52% der Befragten einen Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur für „dringend“ und 32% für „mittel dringend“. Weitere Ergebnisse finden Sie in unserer Meldung „Mehrheit der Bevölkerung will die Verkehrswende“ weiter unten.

Einen guten Start in den Fahrrad-Frühling wünscht Ihnen

Ihr
unterschrift_ah
Albert Herresthal
Informationsdienst Fahrradwirtschaft
Die Themen dieser Ausgabe:
  1. Zweirad-Industrie-Verband: Industrie präsentiert rekordverdächtige Zahlen
  2. ADFC-Radreiseanalyse 2023: Fahrradtourismus wächst erheblich
  3. Übernahme im Rekordtempo: Neue Eigentümer für Prophete-Gruppe
  4. ADAC veröffentlicht infas Umfrage: Mehrheit der Bevölkerung will die Verkehrswende
  5. Getriebeschaltungen: Made in Germany ist zurück
  6. Unfallstatistik 2022: Radfahrende besonders gefährdet
  7. IFW exklusiv: 3 Fragen an ... Michael Beste
  8. Kurzmeldungen
  9. Termine
Pressekonferenz ZIV

Zweirad-Industrie-Verband:
Industrie präsentiert rekordverdächtige Zahlen

So viele Räder gab es in Deutschland noch nie: Mit 82,8 Mio. Fahrrädern und E-Bikes ist der Bestand hierzulande 2022 auf einen Top-Wert angestiegen. Seit 2019 sind 6,9 Mio. Stück hinzugekommen. Damit besitzt statistisch gesehen jeder Deutsche ein Zweirad. Auch der Bestand von E-Bikes ist mit 9,8 Mio. ein Rekordwert (Vorjahr: 8,5 Mio.). Ein kräftiges Wachstum gab es bei der inländischen E-Bike Produktion (+ 20%): Die Industriefertigung lag bei 1,7 Mio. Fahrzeugen. Hinzu kamen 900.000 in Deutschland hergestellte unmotorisierte Fahrräder. Der Verkaufswert aller Fahrzeuge betrug 7,36 Mrd. Euro – das sind 12% mehr als im Jahr davor. Damit ist ein neuer Umsatzrekord erreicht. (Marktdaten 2022)

2022 wurden insgesamt rund 4,6 Mio. Fahrräder in Deutschland verkauft. 48% davon sind E-Bikes (Vorjahre: 43% - 39%). Der ZIV rechnet damit, dass in diesem Jahr erstmalig mehr E-Bikes verkauft werden als Fahrräder. Dabei sind besonders E-Cargobikes auf dem Vormarsch: 2022 wurden 165.000 davon verkauft (+ 37,5%). Im sportlichen Bereich ist das E-MTB mit 836.000 Stück besonders gefragt (+ 23%). Bei unmotorisierten Fahrrädern erfreut sich das Trekkingrad besonderer Beliebtheit (45%) vor dem Cityrad (18%).

Und wo werden Fahrräder und E-Bikes in Deutschland gekauft? Nach wie vor dominiert hier der stationäre Fachhandel mit 73%. Internetversender bringen es auf 21% (+1% gegenüber dem Vorjahr). Der durchschnittliche Verkaufspreis von unmotorisierten Fahrrädern liegt bei rund 500 Euro und 2.800 Euro bei E-Bikes (über alle Vertriebskanäle). Solche Durchschnittswerte sind aber wenig aussagekräftig, weil der tatsächliche Preis stark vom Radtyp und von der gewählten Qualitätsklasse abhängt. So gibt der Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) für den Fachhandel Durchschnittswerte von 714 Euro bzw. 3.570 Euro an.

Ende März veröffentlichte der Radlogistikverband Deutschland (RLVD) seinen Branchenreport 2023. Die Zahlen zeigen eine beeindruckende Dynamik. So stieg der Gesamtumsatz binnen Jahresfrist um 40% und die Anzahl der Arbeitsplätze um 42%. Der Absatz verdoppelte sich nahezu und liegt bei 27.300 Einheiten. Der Exportanteil liegt bei 45%.

ADFC Radreiseanalyse





ADFC-Radreiseanalyse 2023:
Fahrradtourismus wächst erheblich

Nach dem pandemiebedingten Rückgang der Radreisen 2020 und 2021 ging es 2022 wieder steil bergauf. Laut der am 9.3. auf der ITB in Berlin vorgestellten ADFC-Radreiseanalyse stieg die Anzahl der Menschen, die im letzten Jahr eine mehrtägige Radreise gemacht haben gegenüber dem Vorjahr von 3,9 Mio. auf 4,6 Mio.. 62% aller Radreisenden gaben an, dabei die Schönheiten Deutschlands zu genießen. 55% von ihnen übernachten in Hotels, 37% in Pensionen und 29% campen (Mehrfachnennungen waren möglich). Damit stellt der Radreisetourismus einen bedeutsamen Wirtschaftszweig dar. Er trägt hierzulande besonders auch in strukturschwachen Regionen zu Einkommen und Wohlstand bei. 

62% der Radreisenden nutzen für die Reise ein unmotorisiertes Fahrrad, 38% reisen per E-Bike. Zu den Gründen der E-Bike-Nutzung befragt, geben 69% an, dadurch längere Strecken zurückzulegen und 55% können hiermit auch hügeligere Gegenden für sich entdecken. 17% sagen, nur durch das E-Bike haben sie überhaupt das Radfahren erst (wieder) für sich entdeckt und 13% haben nur deshalb den Mut zu einer mehrtägigen Radreise gefunden.

Im Hinblick auf den Radtyp bleiben Trekkingräder – egal, ob mit oder ohne Elektrounterstützung – mit 53% dominierend. Mountainbikes werden von 12%, Gravelbikes von 10% und Rennräder von 6% für die Reise genutzt. Knapp 1% reist per Cargobike. Bayern wird in Deutschland mit 27% am häufigsten angesteuert, gefolgt von Niedersachsen (24%), NRW (20%) und Baden-Württemberg (19%). Die beliebtesten Radfernwege sind Routen entlang der Flussläufe, so der Weserradweg (12%), der Elberadweg (12%) und der Rheinradweg (8%). 

Für die Anfahrt zum Ausgangspunkt einer Radreise nutzen 37% die Bahn bzw. den ÖV (4% mehr als im Vorjahr) und 35% den PKW (minus 6%). Für die Hälfte der mit der Bahn Anreisenden war das allerdings nicht problemlos. Konkret klagten die Betroffenen über zu geringe Mitnahmekapazitäten (75%), Fahrrad unfreundliche Bahnhöfe (50%) und unkomfortable Stellplätze in den Zügen (47%). Hier gibt es also für die Zukunft deutlichen Verbesserungsbedarf.

Zur vollständigen ADFC-Radreiseanalyse 2023

Prophete GmbH

Übernahme im Rekordtempo:
Neue Eigentümer für Prophete-Gruppe

Als Mitte Dezember des letzten Jahres der Hersteller von Fahrrädern und E-Bikes mit Standorten in Rheda-Wiedenbrück (Prophete) und Oldenburg (Cycle Union) mit 400 Beschäftigten in Folge der extremen Schwankungen bei Fahrrad-Absatz und Versorgung mit Komponenten in die Insolvenz geriet, waren Branchenkenner sogleich optimistisch, dass sich sehr schnell ein neuer Eigentümer finden lassen würde. Gründe für die Zuversicht waren die günstigen Perspektiven der Fahrradbranche insgesamt, die eine Übernahme des Unternehmens mit seinen qualifizierten Mitarbeitenden attraktiv machte. Nun wurde ein neuer Eigentümer gefunden. Beide Standorte sollen erhalten bleiben, das Personal wird übernommen. 

Bei einer anfangs zweistelligen Zahl von Interessenten fiel die Wahl des Insolvenzverwalters schließlich auf einen multinationalen Investor, die Dutech Holding Ltd., ein Unternehmen mit weltweit 2.600 Beschäftigten, davon vor der Übernahme bereits 800 in Deutschland. Die Holding ist schon länger in der Fahrradbranche engagiert und produziert Komponenten für E-Bikes. Mit einem Jahresumsatz von rund 300 Mio. Euro befindet sich der Konzern im Eigentum eines US-amerikanischen Unternehmers und wird an der Börse in Singapur gehandelt. Dutech ist ein global agierender Systemhersteller im Bereich Sicherheitstechnik. Das Unternehmen stellt u.a. die Automaten für Tickets der Deutschen Bahn her.

Durch die Geschwindigkeit bei der Übernahme stehen die Chancen gut, dass Prophete und Cycle Union einen großen Teil ihrer Kunden erhalten können und die Produktion kontinuierlich fortgesetzt wird. Bekannte Marken der Unternehmensgruppe sind u.a. Kreidler und die vsf-fahrradmanufaktur für den Fachhandel sowie Prophete für den Vertrieb in Baumärkten. In welcher Weise sich das Unternehmen nun neu aufstellt und welche Schwerpunkte gesetzt werden, liegt in der Hand des neuen Eigentümers.
ADAC Umfrage





ADAC veröffentlicht infas Umfrage:
Mehrheit der Bevölkerung will die Verkehrswende

Es ist ein „geflügeltes Wort“, besonders auch von Gegner*innen jeglicher Veränderungen: Man müsse „die Menschen mitnehmen“! Nun hat der ADAC – ja: der Automobilclub – die Ergebnisse einer repräsentativen infas Umfrage „Verkehrswandel aus der Nutzerperspektive“ veröffentlicht: Ein interessantes Meinungsbild. 2.000 Menschen ab 17 Jahren wurden zu ihren Vorstellungen befragt. Es zeigt sich in der Studie ein hohes Bewusstsein für die Ziele der Verkehrswende – allerdings mit Schwächen, wenn es um die eigene Bereitschaft zur Umsetzung geht.

Bei dem Ziel „Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer“ sehen 57% dringenden Handlungsbedarf (und 33% mittleren). „Mehr Verkehr zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Fahrrad bei weniger Autoverkehr“ nennen 50% dringend und 35% mittel dringend. „Höhere Lebensqualität (z.B. Aufenthaltsqualität) in den Städten“ finden 49% dringend und 40% mittel dringend. Bei den Antworten gibt es erhebliche Unterschiede je nachdem, welches Verkehrsmittel die Befragten hauptsächlich nutzen. So ist z.B. das Ziel „Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer“ nur für 43% der Auto-Nutzer dringend, jedoch für 75% der Fahrrad- und für 62% der ÖPNV-Nutzer*innen. 

Wenn es um die notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung der Verkehrswende geht, dann steht der Ausbau des ÖPNV (53% dringend, 33% mittel) vor durchgängigen Radwegenetzen (47% dringend, 35% mittel) und einer barrierefreien Infrastruktur (46% dringend, 40% mittel). Jeder Dritte hält den Ausbau von Radschnellwegen für dringend und 37% für mittel dringend. Menschen mit Hauptnutzung Fahrrad oder ÖPNV finden den Ausbau der genannten Infrastruktur wichtiger als Menschen mit Hauptnutzung Auto.

Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich aber auch Unterschiede zwischen Theorie und Praxis: So ergibt die Umfrage trotz des Bekenntnisses zu mehr Sicherheit für Radfahrende und Fußgänger*innen eine zwei Drittel Mehrheit für die Beibehaltung der innerörtlichen Regelgeschwindigkeit von 50km/h. Gespalten ist die Haltung auch bei der Umwidmung von Fahrspuren in Radwege bzw. in Busspuren. Die Hälfte der Befragten findet autofreie bzw. autoreduzierte neue Wohngebiete „unverhältnismäßig“. Eine Verteuerung des Kfz-Parkens im öffentlichen Straßenraum lehnen 63% ab, eine City-Maut gar 69%. Die meisten Menschen (56%) sind aber zu einer konstruktiven Mitarbeit an der Umgestaltung der eigenen Stadt, z.B. durch die Teilnahme an Bürgerbefragungen oder Workshops bereit. Das lässt doch hoffen!

Zur Umfrage des ADAC
Getriebe Pinion GmbH

Getriebeschaltungen:
Made in Germany ist zurück

Es ist bekannt, dass viele Fahrradkomponenten in Asien oder in Osteuropa hergestellt werden. Doch „Made in Germany“ ist auf dem Vormarsch – besonders bei hochwertigen Komponenten. Dies zeigt sich aktuell beim wichtigen Segment der Nabenschaltungen. Die waren zwar in den 1980er Jahren ohnehin ein typisch deutsches Produkt („Fichtel & Sachs Dreigang mit Rücktritt“), diese Stellung ging dann aber verloren und es dominierten vielfach in Asien gefertigte Produkte (Shimano, SRAM u.a.). 

Inzwischen hat sich das Blatt aber wieder gewendet, insbesondere im innovativen und hochwertigen Bereich. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre werden in Hessen bei Kassel 14-Gang Naben hergestellt („Rohloff Speedhub“), die als das beste und langlebigste gelten, was auf dem Nabenschaltungsmarkt weltweit verfügbar ist. Seit 2012 werden im Baden-Württembergischen Denkendorf bei Esslingen Fahrrad-Getriebeschaltungen ganz anderer Art gebaut, und zwar mit bis zu 18 Gängen. Diese sind in einem Gehäuse in der Nähe des Tretlagers positioniert, weshalb hierfür spezielle Fahrradrahmen benötigt werden. Inzwischen gibt es auch Varianten mit 6, 9 oder 12 Gängen, alle extrem wartungsarm (siehe Foto, Firma Pinion).

Die neueste Innovation aus Deutschland kommt ebenfalls aus Baden-Württemberg. In Adelmannsfelden (Ostalbkreis) bei Aalen werden seit 2023 serienmäßig „3x3 NINE“ Getriebenaben für den Einsatz an MTBs gefertigt, die vollständig wartungsfrei sind. Sämtliche hier genannten Getriebeschaltungen können sowohl mechanisch als auch elektrisch geschaltet werden. So gibt es – zusätzlich zu den Produkten des Massenmarkts aus anderen Ländern – nach einigen Jahrzehnten der Abhängigkeit von Importen jetzt in Deutschland wieder eine ganze Reihe von Herstellern von Getriebeschaltungen mit eigener Entwicklung und heimischer Fertigung.
Statista





Unfallstatistik:
Radfahrende besonders gefährdet

Seit 1991 gibt es in der deutschen Statistik einen deutlichen Trend der Abnahme bei den Verkehrstoten (Rückgang um 75%). Doch diese erfreuliche Entwicklung gilt nicht für alle Verkehrsarten in gleicher Weise. Profitiert haben bislang hauptsächlich PKW-Fahrer*innen und Insass*innen. Die Anzahl tödlich verunglückter Radfahrender liegt 2022 hingegen auf konstantem Niveau zum Jahr 2006.

Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen zu analysieren und zu bewerten ist aktuell jedoch ein komplexes Unterfangen. Ein Grund liegt dabei in der Mobilitätsdelle der Corona-Jahre, wodurch Vorjahresvergleiche fragwürdig werden. Aber auch aktuelle Daten zum wachsenden Radverkehr fehlen, mit denen steigende Opferzahlen ins Verhältnis gesetzt werden könnten. So müssen einige Schlussfolgerungen aus der Statistik mit Vorsicht genossen werden.

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 2,4 Millionen Unfälle registriert (+4% zu 2021), in deren Folge 358.000 Menschen verletzt wurden (+11%) und 2.782 starben (+9%). Die Jahresfahrleistung nahm um 4,5% im Vergleich zum Vorjahr zu – blieb aber noch um 4,7% unter dem Vor-Corona-Jahr 2019. Zufußgehende und Radfahrende kamen bei den Unfällen überdurchschnittlich zu Schaden. Gegenüber dem Vorjahr betrug die Steigerung bei Zufußgehenden 11% und bei Radfahrenden 30% (454 getötete Radfahrende, Datenbasis: 1-11/22, Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum). Dies lässt sich sogar noch differenzieren: Bei unmotorisierten Radfahrenden sind es + 14% und bei Pedelec-Fahrenden +60%. Besonders die letzte Zahl lässt aufhorchen, steht aber gewiss im direkten Zusammenhang mit dem starken Anstieg der Nutzung von E-Bikes in den letzten Jahren. Dennoch: Das Ziel der Bundesregierung, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40% zu senken, verlangt nach einer Trendumkehr.

Sowohl die Deutsche Verkehrswacht (DVW) als auch der TÜV-Verband schlagen angesichts der aktuellen Entwicklung Alarm und verlangen mehr Engagement für eine sichere Infrastruktur für Zufußgehende und Radfahrende sowie eine Reform des Straßenverkehrsrechts. DVW-Präsident Prof. Kurt Bodewig, ehemaliger Bundesverkehrsminister, kommentiert die Zahlen so, dass man diese „auf keinen Fall akzeptieren“ könne und fordert mehr Aufmerksamkeit für die Verkehrssicherheitsarbeit. Auch der TÜV-Verband fordert zur Verbesserung u.a. ein lückenloses Radverkehrsnetz.

Informationsdienst Fahrradwirtschaft exklusiv:

3 Fragen an ...

Andreas Hombach (WSM)
Michael Beste, Geschäftsführer SKS metaplast Scheffer-Klute GmbH
IFW: SKS produziert mit 400 Mitarbeitenden Fahrradzubehör mitten im Sauerland. Wie kam es dazu, das Unternehmen hier vor über 100 Jahren zu gründen und wie hat es sich entwickelt?

MB:
Der Standort ist historisch bedingt. Begonnen hat alles mit Gardinenstangen, die Firmengründer Karl Scheffer-Klute 1921 in seiner Kellerwerkstatt in Sundern fertigte. Sein Schwiegersohn Wilhelm Blome übernahm 1932 eine ortsansässige Luftpumpenfabrik und machte den Weg frei in einen ungemein ausbaufähigen Fertigungszweig: die Fahrradbranche. So entstand mitten in der Stadt ein familiengeführtes Unternehmen, das im Laufe des Jahrhunderts immer wieder an- und umgebaut wurde. Nicht nur das Rathaus, sondern auch die Schützenhalle befindet sich direkt nebenan. Kurz gesagt: Wir sind mit der Region verwurzelt. Es macht uns stolz, auch nach 100 Jahren immer noch in Sundern zu produzieren, Arbeitsplätze zu erhalten und die Wirtschaft vor Ort stärken zu können.
Das alles gelingt natürlich nur aufgrund des Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

IFW: Von Pumpen und Schutzblechen über Kettenschützer und Werkzeuge bis hin zu Bekleidung – Sie vertreiben ein breites Produktsortiment. SKS ist in der Branche eine bekannte Marke. Warum setzen Sie so stark aufs Fahrrad?

MB:
Das Fahrrad gehört für uns zur DNA. Alle Prozesse, Maschinen, Ideen etc. drehen sich bei uns rund um das Rad. Hier käme niemand auf die Idee, unsere Identität ernsthaft in Frage zu stellen.  
Darüber hinaus befinden wir uns in der Fahrradbranche selbstredend in einer DER Zukunftsindustrien schlechthin. Als klimafreundliches und gesundheitsförderndes Fortbewegungsmittel gewinnt das Fahrrad immer mehr an Bedeutung. Wir sind davon überzeugt, dass das Fahrrad eine wichtige Rolle für eine nachhaltige Zukunft spielt und möchten dazu beitragen, dass Radfahren für alle einfacher und komfortabler wird. Ein tolles Produkt mit hervorragenden wirtschaftlichen Aussichten – wer würde nicht darauf setzen?

IFW: SKS wirbt auch mit dem Slogan „Made in Germany“. Welche Ansprüche verbinden Sie damit?


MB: Ingenieursleistungen, Innovationsgeist und erstklassige Qualität. Die Produktion in Deutschland hat viele Vorteile. Dazu gehören flexible Produktionskapazitäten, Lieferfähigkeit sowie kurze Lieferketten und -wege, denn selbstverständlich spielt die Nachhaltigkeit heutzutage eine große Rolle. Unsere Produkte sind langlebig und viele Ersatzteile sind noch Jahre nach dem Kauf erhältlich. Wir haben gerade in Corona-Zeiten bewiesen, dass „Made in Germany“ zukunftsfähig ist – mit cleveren Investitionen in die technische Infrastruktur, innovativen Produkten und personeller Weiterentwicklung. Für eine langfristige Standortsicherung ist es unser Ansporn, das in vierter Generation geführte Unternehmen durch Beständigkeit auf Kurs zu halten.

Kurzmeldungen

Leonore Gewessler
Kopf des Monats
Leonore Gewessler ist die Bundesministerin für Klimaschutz, Energie, Mobilität und manches mehr in unserem Nachbarland Österreich. Dort will sie die Verkehrswende mit Förderprogrammen für Fahrräder weiter vorantreiben. Und so gibt es seit dem 1. März 2023 für ÖPNV-Kund*Innen im Besitz einer Jahreskarte eine Kaufprämie in Höhe von 600 Euro für die Anschaffung eines Faltrades mit kompakten Faltmaßen, so dass das Faltrad dann kostenlos in Bus oder Bahn mitgenommen werden kann.
Mittelmotor (Bosch eBike Systems)
Mittelmotor dominiert bei E-Bikes
Für Pedelecs gibt es verschiedene Antriebsvarianten. Eine Händlerumfrage der SAZbike zeigt nun die Größenverhältnisse in Zahlen: 94% aller Fachhändler führen Pedelecs mit Mittelmotor, 24% verkaufen (auch) Räder mit Heckmotor. Der Frontmotor scheint im Fachhandel eine aussterbende Spezies zu sein: Nur 6% der Händler bieten Räder mit dieser Antriebsart.
Verantwortungsbericht Riese & Müller
Zahl des Monats
Minus 23,3%: Auch bei der Produktion von Fahrrädern wird CO2 freigesetzt. Die genaue Menge lässt sich mit einer Öko-Bilanz errechnen. Der Darmstädter E-Bike-Hersteller Riese & Müller hat soeben seinen „Verantwortungsbericht 03“ veröffentlicht. Danach konnte die pro E-Bike anfallende Menge CO2 im Geschäftsjahr 2021/2022 um 23,3% von 72,93 kg auf 55,92 kg gegenüber dem Vorjahr reduziert werden. Das Unternehmen hat im Berichtszeitraum mit 754 Beschäftigten rund 125.000 E-Bikes gefertigt.
Bild des Monats
Bild des Monats: Am 17. März fand im Saal des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag eine richtungsweisende Veranstaltung des „Parlamentskreises Fahrrad“ statt. In Anwesenheit der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, Sabine Dittmar, dem Vorsitzenden des Sportausschusses, Frank Ullrich, und Anke Tempelmann vom AOK Bundesverband wurden erstmalig auf dieser Ebene die Synergien des Radfahrens für die Gesundheitspolitik der Bundesregierung diskutiert. Auch Vertreter*innen der Fahrradwirtschaft konnten sich einbringen. 

Termine

  • Das E-Bike Festival Dortmund, eine offene Veranstaltung in der Innenstadt zum Testen von E-Bikes und mit großem Bühnenprogramm, Vorträgen und Kursen findet vom 21.-23. April statt. 

  • Die Ergebnisse des Fahrradklimatests 2022 stellen Bundesverkehrsminister Volker Wissing und die ADFC-Bundesvorsitzende Rebecca Peters am 24.4. um 13:30 Uhr in Berlin vor. Die Veranstaltung kann im Livestream verfolgt werden. Im Ranking sind über 1.000 Städte und Orte.

  • Sie ist die größte Spezialradmesse der Welt: Die Spezi 2023 ist erstmals am neuen Standort in Lauchringen (BW) zu finden, und zwar am Wochenende 29.-30. April.

  • Der Weltkongress des Fahrrads, die vom europäischen Radfahrer*innen Verband ECF veranstaltete internationale Konferenz VeloCity, gastiert in diesem Jahr vom 9.-12. Mai in Leipzig. Erwartet werden 1.400 Teilnehmende aus über 60 Ländern.  

  • Sitzungswochen des Deutschen Bundestags finden vom 17.-21. sowie vom 24.-28. April statt. Die nächste Sitzung des Bundesrats ist am 12. Mai 2023.

  • Der nächste Newsletter Fahrradwirtschaft Insight erscheint am 9. Mai.

Team Fahrradwirtschaft Insight

Team Fahrradwirtschaft Insight
Herausgeber des Newsletters ist Albert Herresthal. Durch seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer des Verbund Service und Fahrrad (VSF e.V.) ist er mit den relevanten Köpfen aus Politik, Verwaltung und Fahrradwirtschaft bestens verbunden. Er ist für das Konzept und die inhaltliche Ausgestaltung verantwortlich.

Auch Hendrikje Lučić (Mitte) verfügt über langjährige Erfahrung in der politischen Arbeit, so war sie Leiterin des VSF-Hauptstadtbüros. Seit 2021 verantwortet sie die Politische Interessenvertretung beim Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI). Sie ist für die inhaltliche und strategische Ausgestaltung des Newsletters mitverantwortlich.

Anne Kreidel ist Fundraiserin und hat lange im Marketing und in der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Sie ist in Unternehmen, in Kultur- und Umweltorganisationen tätig, war u.a. bei Changing Cities. Im Team Fahrradwirtschaft Insight übernimmt sie die Umsetzung und den Versand des Newsletters.
Fotonachweise in der abgebildeten Reihenfolge: 1. Screenshot Pressekonferenz auf YouTube, 2. ADFC e.V., 3. Prophete GmbH, 4. ADAC e.V., 5. Pinion GmbH, 6. Statista, 7. SKS metaplast Scheffer-Klute GmbH, 8. Österreichisches Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, 9. Bosch eBike Systems, 10. Riese & Müller, 11. Büro MdB Michaelsen, 12. Teamfoto: Antonia Richter
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